Loading
LADEN

Archive for: Mai, 2017

Home / Mai 2017
image title

GEFANGENEN-DILEMMA

GEFANGENEN-DILEMMA

Vor gefühlt einer Ewigkeit habe ich VWL studiert. Das s.g „Gefangenen-Dilemma“ hat mich damals wie heute fasziniert. Es ist ein mathematisches Spiel aus der Spieltheorie. Es modelliert die Situation zweier Gefangener, die beschuldigt werden, gemeinsam ein Verbrechen begangen zu haben. Die beiden Gefangenen werden einzeln verhört und können nicht miteinander kommunizieren. Leugnen beide das Verbrechen, erhalten beide eine niedrige Strafe, da ihnen nur eine weniger streng bestrafte Tat nachgewiesen werden kann. Gestehen beide, erhalten beide dafür eine hohe Strafe, wegen ihres Geständnisses aber nicht die Höchststrafe. Gesteht jedoch nur einer der beiden Gefangenen, geht dieser als Kronzeuge straffrei aus, während der andere als überführter, aber nicht geständiger Täter die Höchststrafe bekommt.

Wie entscheide ich mich nun? Leugne ich, kann es passieren, dass ich die Höchststrafe erhalte, wenn der andere gesteht und als Kronzeuge aussagt. Gestehe ich, ist das Schlimmste was mir passieren kann, dass der andere auch gesteht und wir beide eine hohe Strafe aber nicht die Höchststrafe erhalten.

Für den Einzelnen ist es daher am sichersten, zu gestehen, beidseitiges Leugnen aber verspricht das beste Gesamtergebnis. Ein Dilemma. Wenn sie einander vertrauen könnten und sicher wären, dass der andere auch leugnet, dann würden sie beide ein geringeres Strafmaß erhalten. Kooperation und Vertrauen zahlen sich aus, selbst in theoretischen VWL-Modellen.

Mir kam dieses Spiel wieder in den Kopf als über den Auftritt des amerikanischen Präsidenten in Brüssel berichtet wurde: „America first“. Es bleibt abzuwarten, wie dieses Dilemma ausgeht.

Und was hat das mit Mediation zu tun? Fantastisch oder? Die bedeutensten Vertragstheoretiker Thomas Hobbes, John Locke und Jean-Jacques Rousseau haben schon bewiesen, dass sich Vertrauen auszahlt. Mathematiker und Ökonomen forschten dazu weiter, mit dem (vereinfachten) Ergebnis: Wenn Menschen miteinander reden und kooperieren, geht es den Menschen in Summe besser. Genau das greift die Mediation auf: Jeder spricht für sich und seine Interessen, der Mediator sorgt dafür, dass wieder miteinander gesprochen und ein gegenseitiges Verständnis erzeugt wird. Die erarbeiteten Lösungen sind das bestmögliche Gesamtergebnis. Hobbes, Locke und Rousseau würden in die Hände klatschen.

 

 

Continue Reading
image title

KONFLIKTE

KONFLIKTE

Die Überschrift meiner Blogs füge ich häufig erst als letztes hinzu. Das liegt daran, dass mich oft unterschiedliche Themen gleichzeitig beschäftigen und ich anfangs noch gar nicht sagen kann, was hinten heraus kommt.

Heute ist es anders. Konflikte lautet die Überschrift. Mein Herzensthema. In den letzten Tagen habe ich Gespräche mit Menschen geführt, die ich lange nicht mehr gesehen habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass sie einen roten Faden hatten: Konflikte. Und ich habe für mich mitgenommen, dass die Häufung kleinerer Streitereien das große Ganze in Gefahr bringen. Ungelöste Konflikte – sind sie noch so klein – führen in der Häufung dazu, dass etwas verloren geht. Im Job geht vielleicht die Motivation weiter zu kommen verloren, privat bröckelt das liebevolle Miteinander. Hört sich nicht nach einer Knallererkenntnis an? Für mich schon, denn es war in den Gesprächen spürbar. Ich glaube ich habe bisher diese kleinen Streitigkeiten unterschätzt, weil ich sie immer nur isoliert betrachtet habe. Deren Kumulation kann allerdings zu einer tickenden Zeitbombe werden – meine Erkenntnis des Tages.

Aber halt, stop!! Nein, ich möchte doch gar nicht Konflikte als so etwas böses und teuflisches darstellen. Wie bekomme ich jetzt noch die Kurve… Konflikte sind wunderbar, denn sie zeigen auf wo etwas im Argen liegt. Wenn man hinguckt, sie angeht und löst sind sie echte Energybooster. Sowohl für Unternehmen als auch für das Privatleben. Und: Menschen, die Konflikte und Widerstände lösen wollen sind mutig. Warum? Weil sie in die Auseinandersetzung mit ihrem Gegenüber gehen.

Und was hat das mit Mediation zu tun? Konflikt – Mediation – Lösung. So einfach und so gut!

Vielen Dank fürs Lesen, Liken und Teilen!

 

Continue Reading
image title

DER LEBENSPLAN

DER LEBENSPLAN

Ich bin nun Dozentin für das Thema Projektmanagement an der International School of Management. Ab September geht es los. Knaller, oder? Hätte man mir das vor ein paar Jahren erzählt, ich hätte mir leicht an die Stirn getippt. Umso schöner, dass es nun geklappt hat und ich um eine Erfahrung reicher sein werde. Das hat mich über das Thema „Lebensplan“ nachdenken lassen. Ganz ehrlich, wenn mich früher jemand im Bewerbungsgespräch gefragt hat wo ich denn gerne in drei Jahren sein möchte, habe ich mir irgendetwas aus der Nase gezogen. Ich wusste es einfach nicht. Damals hat mich das an mir zweifeln lassen, weil ich überall las, dass Ziele das A und O sind. Ohne Ziele würde man nichts erreichen, man würde wahllos und verwirrt herumirren und am Ende nichts auf die Kette bekommen haben. Jetzt würde ich sagen, dass mich meine Nicht-Ziele dahin gebracht haben, wo ich sein möchte. Zumindest jetzt. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen. Vor 5 Jahren hätte sich mein jetziges Leben jedoch noch viel zu gewagt angefühlt. Einen gut bezahlten und sicheren Job bei einem führenden DAX30-Konzern aufgeben, um sich selbstständig zu machen? Aus dem Finanzbereich hin zu einer beratenden Tätigkeit in der es um Kommunikation geht, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht mehr die Zahlen? Bist du von allen guten Geistern verlassen!? Nein, ganz im Gegenteil, ich bin meinen guten Geistern immer näher gekommen. Ich brenne für meine Arbeit, lerne jeden Tag etwas dazu und habe in dem letzten Jahr so unglaublich viele interessante und bereichernde Menschen kennengelernt, die ich sonst vermutlich verpasst hätte. Meine Ziele für die nächste 5 Jahre? Weiter an mir arbeiten, auf mich hören und offen sein für alles was da kommt. Ich freue mich!

Was hat das mit Mediation zu tun? Langsam könnte ich hieraus ein Ratespiel machen, denn ihr könnt diese Frage doch bestimmt nun schon selber beantworten. Ich fange mal an und bin dann an Eurer Ableitung interessiert: Mediation ist ergebnisoffen, völlig ergebnisoffen! Eine der vielen Stärken der Konfliktlösung über die Mediation.

Continue Reading
image title

DAS ERSTE MAL

DAS ERSTE MAL

Die Anzahl der ersten Male nimmt mit zunehmendem Alter ab. Als Kleinkind kann ein Tag noch voller erster Male sein. Das erste Mal stehen, das erste Mal Mama sagen, das erste Mal Schokolade schmecken. Mit nun 38 Jahren hätte ich nicht damit gerechnet noch mal ein solches besonderes erste Mal erleben zu können. Dafür musste ich nicht einmal in ein weit entferntes Land reisen, ich bin nur 100 Meter weit gegangen. In ein Yogastudio und hatte die erste Yogastunde meines Lebens. Wahnsinn! Ja, körperlich war es extrem anstrengend, so wie es mir viele vorher erzählt haben. Aber extreme körperliche Anstrengung kenne ich bereits aus der Marathonvorbereitung – also nichts Neues. Das Neue, das Besondere war dass ich mich und meinen Körper völlig neu wahrgenommen habe. Und es war so vielschichtig, dass es mir schwer fällt in Worten zu beschreiben. Auf der einen Seite meine körperlichen Grenzen zu spüren und auf der anderen Seite meinen Körper dabei lieb zu haben – obwohl er gerade nicht das alles so macht wie mein Kopf es sich vorstellt. Verrückt oder? Ich bin jedenfalls nachhaltig beeindruckt und freue mich auf die nächste Stunde und meinen Muskelkater.

Und was hat das mit Mediation zu tun? Diese Erfahrung, einen Konflikt mittels Mediation offen zu legen, nichts unter den Teppich zu kehren und in die Lösung zu bringen obwohl (oder gerade weil!) jeder nur für sich und seine Interessen spricht, ist immer wieder besonders für mich. Aber das erste Mal hat mich auch hier umgehauen und mir meine Berufung aufgezeigt. Sowohl bei der Arbeit als Mediatorin als auch beim Yoga ist die Haltung entscheidend, gegenüber mir selber und gegenüber meinen Mitmenschen. Mental wie auch körperlich.

Continue Reading
image title

WECHSELSPIEL

WECHSELSPIEL

Heute Morgen hatte ich das große Glück am Meer laufen zu können. Wunderschöne Ausblicke, die ich zu sehen bekam. Grüne Hügel am Horizont, davor ein Hafen, stahlblauer Himmel und das glitzernde Meer. Ich war froh, dass kein Tempolauf auf dem Programm stand. Bei der Anstrengung hätte ich vermutlich das Drumherum nicht so genießen können. Ist das bei allem so? Dass wenn man sich anstrengt, man das alles nicht so genießen und wahrnehmen kann? Vermutlich sind es immer Abschnitte in denen man sehr fokussiert ist, die mal anstrengend sind. Dann wäre Ablenkung nicht hilfreich. Ich finde es jedenfalls gut, wenn mein (Lauf-)Plan eine Abwechslung aus An- und Entspannung bereit hält. Und viele Momente dabei sind in denen ich das Leben um mich herum wahrnehmen kann.

Und was hat das mit Mediation zu tun? In einer Mediation ist die erste Phase meist dichter und sehr fokussiert. Gegen Ende entspannt es sich, alle Beteiligten nehmen das Gegenüber wieder mehr wahr und sind offener anderen Sichtweisen gegenüber. Die Lösungsfindung entsteht in der Entspannung, wenn Kopf und Herz wieder frei sind, um kreativ sein zu können. Hatte ich schon mal erwähnt, das Mediation großartig ist?!

Continue Reading