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DAS ERSTE MAL

Die Anzahl der ersten Male nimmt mit zunehmendem Alter ab. Als Kleinkind kann ein Tag noch voller erster Male sein. Das erste Mal stehen, das erste Mal Mama sagen, das erste Mal Schokolade schmecken. Mit nun 38 Jahren hätte ich nicht damit gerechnet noch mal ein solches besonderes erste Mal erleben zu können. Dafür musste ich nicht einmal in ein weit entferntes Land reisen, ich bin nur 100 Meter weit gegangen. In ein Yogastudio und hatte die erste Yogastunde meines Lebens. Wahnsinn! Ja, körperlich war es extrem anstrengend, so wie es mir viele vorher erzählt haben. Aber extreme körperliche Anstrengung kenne ich bereits aus der Marathonvorbereitung – also nichts Neues. Das Neue, das Besondere war dass ich mich und meinen Körper völlig neu wahrgenommen habe. Und es war so vielschichtig, dass es mir schwer fällt in Worten zu beschreiben. Auf der einen Seite meine körperlichen Grenzen zu spüren und auf der anderen Seite meinen Körper dabei lieb zu haben – obwohl er gerade nicht das alles so macht wie mein Kopf es sich vorstellt. Verrückt oder? Ich bin jedenfalls nachhaltig beeindruckt und freue mich auf die nächste Stunde und meinen Muskelkater.

Und was hat das mit Mediation zu tun? Diese Erfahrung, einen Konflikt mittels Mediation offen zu legen, nichts unter den Teppich zu kehren und in die Lösung zu bringen obwohl (oder gerade weil!) jeder nur für sich und seine Interessen spricht, ist immer wieder besonders für mich. Aber das erste Mal hat mich auch hier umgehauen und mir meine Berufung aufgezeigt. Sowohl bei der Arbeit als Mediatorin als auch beim Yoga ist die Haltung entscheidend, gegenüber mir selber und gegenüber meinen Mitmenschen. Mental wie auch körperlich.