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GEFANGENEN-DILEMMA

Vor gefühlt einer Ewigkeit habe ich VWL studiert. Das s.g “Gefangenen-Dilemma” hat mich damals wie heute fasziniert. Es ist ein mathematisches Spiel aus der Spieltheorie. Es modelliert die Situation zweier Gefangener, die beschuldigt werden, gemeinsam ein Verbrechen begangen zu haben. Die beiden Gefangenen werden einzeln verhört und können nicht miteinander kommunizieren. Leugnen beide das Verbrechen, erhalten beide eine niedrige Strafe, da ihnen nur eine weniger streng bestrafte Tat nachgewiesen werden kann. Gestehen beide, erhalten beide dafür eine hohe Strafe, wegen ihres Geständnisses aber nicht die Höchststrafe. Gesteht jedoch nur einer der beiden Gefangenen, geht dieser als Kronzeuge straffrei aus, während der andere als überführter, aber nicht geständiger Täter die Höchststrafe bekommt.

Wie entscheide ich mich nun? Leugne ich, kann es passieren, dass ich die Höchststrafe erhalte, wenn der andere gesteht und als Kronzeuge aussagt. Gestehe ich, ist das Schlimmste was mir passieren kann, dass der andere auch gesteht und wir beide eine hohe Strafe aber nicht die Höchststrafe erhalten.

Für den Einzelnen ist es daher am sichersten, zu gestehen, beidseitiges Leugnen aber verspricht das beste Gesamtergebnis. Ein Dilemma. Wenn sie einander vertrauen könnten und sicher wären, dass der andere auch leugnet, dann würden sie beide ein geringeres Strafmaß erhalten. Kooperation und Vertrauen zahlen sich aus, selbst in theoretischen VWL-Modellen.

Mir kam dieses Spiel wieder in den Kopf als über den Auftritt des amerikanischen Präsidenten in Brüssel berichtet wurde: “America first”. Es bleibt abzuwarten, wie dieses Dilemma ausgeht.

Und was hat das mit Mediation zu tun? Fantastisch oder? Die bedeutensten Vertragstheoretiker Thomas Hobbes, John Locke und Jean-Jacques Rousseau haben schon bewiesen, dass sich Vertrauen auszahlt. Mathematiker und Ökonomen forschten dazu weiter, mit dem (vereinfachten) Ergebnis: Wenn Menschen miteinander reden und kooperieren, geht es den Menschen in Summe besser. Genau das greift die Mediation auf: Jeder spricht für sich und seine Interessen, der Mediator sorgt dafür, dass wieder miteinander gesprochen und ein gegenseitiges Verständnis erzeugt wird. Die erarbeiteten Lösungen sind das bestmögliche Gesamtergebnis. Hobbes, Locke und Rousseau würden in die Hände klatschen.