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Archive for: Juni, 2017

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OFFENHEIT

OFFENHEIT

Es ist Donnerstag und ich schreibe erst jetzt meinen Blog. Ich kann gar nicht genau sagen woran es liegt, es ist einfach sehr viel passiert, sehr viel Gutes. Diese Woche fühlt sich für mich ziemlich besonders an. Dass morgen der Deutsche Bundestag über die „Ehe für alle“ abstimmt macht es nahezu perfekt. Während ich hier sitze und überlege wie ich beschreiben soll was das für mich bedeutet, läuft vor meinem inneren Auge meine „Regenbogengeschichte“ ab: Vor 17 Jahren, im Jahr 2000, mein erster CSD in Köln, ein überwältigendes Gefühl. Ein Jahr später wurde das Lebenspartnerschaftsgesetz verabschiedet. Weitere 13 Jahre später meine eigene Verpartnerung mit der Frau, die ich so sehr liebe. Vor zwei Jahren die Geburt unseres Sohnes, der schönste Augenblick meines Lebens, meine Welt stand still. Behördengänge für die Stiefkindadoption, Hausbesuch vom Jugendamt, Gerichtstermin mit einem tollen Richter, der sich dafür entschuldigt, dass die gesetzlichen Hürden noch so sind wie sie sind. Und morgen: Werde ich meine Frau fragen, ob sie mich heiraten will. Es mag für viele Menschen nur etwas rein formales, etwas juristisches sein. Für mich hat es eine sehr große symbolische Bedeutung und ich bin unendlich dankbar, dass ich das erleben darf!

Und was hat das mit Mediation zu tun? Mediation kann nur so erfolgreich sein wie es die Konfliktparteien zulassen. Wenn jemand Angst hat darüber zu sprechen was ihm oder ihr wichtig ist, Angst hat Gefühle zu zeigen, darüber zu sprechen wie es ihm oder ihr mit der Situation geht, ist es viel schwieriger beim Gegenüber Verständnis zu erzeugen. Als Mediatorin ist es meine Aufgabe, die Medianten darin zu unterstützen und Ihnen einen sicheren Raum zu geben. Und ich kann diese Offenheit selber vorleben, indem ich darüber schreibe…

Und nun gehe ich ins Bett und werde vermutlich vor Aufregung kaum einschlafen können.

 

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DER ROTE FADEN

DER ROTE FADEN

Was haben die Erfindung, die Philosophie und das Pareto-Optimum gemeinsam? Keine Ahnung? Ich auch nicht, also bisher zumindest. Das Einzige was ich weiß ist, dass das Themen sind, die mich schon lange begleiten. Und sie holen mich in der letzten Zeit immer mal wieder ein. Als Kind wollte ich immer Erfinderin werden. Ich sehe mich heute noch in meinem Kinderzimmer sitzend und meinen selbstgebauten Kreisel bewundernd. Später bereute ich ab und zu nicht irgendetwas ingenieurwissenschaftliches studiert zu haben, um etwas bauen zu können was über einen Kreisel hinaus geht. Die Philosophie kam tatsächlich durch das Fach Religion in mein Leben. Der Pfarrer der Schule – erzbischöfliches Mädchengymnasium, daher der eigene Pfarrer – war mein Religionslehrer und hat das Fach eher philosophisch ausgefüllt. Das Rumdenken und Verbinden verschiedener Themen faszinierte mich – die Kreativität des Denkens und was daraus für neue Gedanken entstehen können. Auch irgendwie eine Art von „erfinderisch sein“. Philosophie hätte ich auch gut studieren können, wenn ich damals nicht so vernunftgetrieben gewesen wäre etwas „anständiges“ zu studieren „mit dem man später auch Geld verdienen kann“. Das brachte mich zum Pareto-Optimum der Volkswirtschaftslehre und ist das nachhaltigste was mir aus meiner VWL-Zeit geblieben ist. Nun, 15 Jahre später macht das Sinn, die Mediation ist der Prozess zum Pareto-Optimum, jedenfalls meiner Interpretation nach 😉
Ich bin mir fast sicher, dass ich in den nächsten 15 Jahren auch noch den roten Faden von Erfinderin und Philosophie in meinem Leben erkennen werde. Ich wünsche es mir jedenfalls und werde berichten. In 15 Jahren vermutlich anders als jetzt gerade. Vielleicht als Hologramm!?

Und was hat das mit Mediation zu tun? Am Anfang der Mediation kennt man die Lösungen noch nicht, die am Ende rauskommen. Man ist häufig sogar überrascht, weil sie so anders sind als das, was man anfangs vielleicht schon als Lösung im Kopf hatte. Ähnlich wie mit meinem Pareto-Optimum, ich hätte niemals vermutet, dass es mich mit der Mediation verbindet.

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VERTRAUEN

VERTRAUEN

Im Beitrag zum Gefangenen-Dilemma hatte ich beschrieben, dass kooperatives Verhalten zum gemeinsam besten Ergebnis führt. Ich brauche also Vertrauen, dass der Andere mit mir kooperiert, um sicher zu sein, dass ich nicht auf die Nase falle. Wie kann ich also sichergehen, dass ich mich verlassen kann? Mir fallen da zwei Möglichkeiten ein: Zum Einen kann ich einen Vertrag schließen und diesen so ausgestalten, dass die Vertragsstrafe für mein Gegenüber so hoch ist, als dass es sich für ihn nicht lohnt vom angestimmten Verhalten abzuweichen. Zum Anderen könnte ich ihm einfach vertrauen. Wenn es denn so einfach wäre… Braucht Vertrauen immer eine Vergangenheit, in der uns bewiesen wurde, dass man vertrauen kann – auch ganz ohne vertragliche Absicherung? Oder wäre das bloße Vertrauen in das Gute im Menschen naiv? Mir fällt da noch ein dritter Weg ein, den Weg über die Interessen zu sprechen. Meinem Gegenüber zu erklären was für mich wichtig ist, so dass beispielsweise ein Projekt an dem gemeinsam gearbeitet wird, für mich zum Erfolg wird. Die gleiche Aufgabe hat auch mein Mitstreiter, so dass wir gegenseitig davon erfahren, was uns in dem Projekt antreibt. Das führt nicht automatisch dazu, dass im Ergebnis jeder das für sich Beste rausschlägt. Es wird auf das Pareto-Optimum wie im Gefangenen-Dilemma hinauslaufen: Den Zustand, in dem es nicht möglich ist, eine (Ziel-)Eigenschaft zu verbessern, ohne zugleich eine andere verschlechtern zu müssen. Ein Kompromiss also. Ein fauler? Mitnichten, denn was wäre die Alternative: Den Streitpunkt in der Hierarchie nach oben zu eskalieren und jemand anderen darüber entscheiden zu lassen, wie das Ergebnis aussehen soll. Eine Partei wird dabei den Kürzeren ziehen. Nicht nur diese Partei verliert dabei, das Unternehmen im gleichen Maße. Denn es geht Vertrauen und Motivation verloren. Die Basis für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Und was hat das mit Mediation zu tun? Die Interessenklärung ist der Herzstück der Mediation und für uns MediatorInnen die größte Herausforderung. Was sich so leicht anhört ist in Wahrheit ein Prozess, der einem verschiedenste Fähigkeiten abverlangt: Eine hohe Konzentrationsfähigkeit, um die Informationen aller Seiten aufnehmen zu können. Die Fähigkeit Komplexität herauszunehmen, ohne dabei Wesentliches zu verlieren. Führungskompetenz und Strukturiertheit, je eskalierter der Streit, umso wichtiger ist dieser Punkt. Kommunikationstechniken, um die Konfliktparteien zu sich und ihren Interessen zu führen. Und nicht zuletzt Einfühlungsvermögen und Intuition, um zu spüren, was bestimmte Situationen gerade brauchen, um weiterzukommen. Kurz: Herz und Verstand!

 

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MENSCHEN

MENSCHEN

Das Arbeiten als Freiberuflerin bringt vieles mit sich. Eines in jedem Fall, ich lerne viele neue Menschen kennen. Vorher hätte ich nicht gedacht, dass ich genau diesen Aspekt meiner Selbstständigkeit so lieben würde. Wobei es mir schon hätte klar sein können, denn ich mag Menschen. Ja wirklich, auch wenn das politische Weltgeschehen in dieser Zeit mehr die Schattenseiten menschlichen Handelns aufzeigt, ändert das rein gar nichts daran, dass ich Menschen mag. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Großteil unserer Menschheit gut ist. Es mag daran liegen, dass ich das große Glück habe so viele liebevolle und herzensgute Menschen um mich zu haben. Ist das naiv? Das kann jeder bewerten wie er es möchte, für mich fühlt es sich so einfach besser an zu leben, weicher. Die berühmte rote Linie habe ich natürlich auch, ohne Frage. Das Eine schließt das Andere für mich nicht aus.

Und was hat das mit Mediation zu tun? Kernstück meiner Ausbildung war das Herausarbeiten meiner Haltung. Jeder Mediator ist eine andere Persönlichkeit, geht anders mit Konflikten und Menschen um. Für mich war sehr schnell klar, dass mich die Menschen in ihren Konflikten interessieren. Ein Teil meiner Arbeit besteht aus dem Fragen und dem Kennenlernen der Medianten. Das ist für mich kein aufgesetztes Fragen, ich frage weil mich der Mensch dahinter wirklich interessiert – auch außerhalb meines Jobs 😉 Ich bin davon überzeugt, dass die wenigstens mit Absicht in den Konflikt mit anderen Menschen gehen oder absichtlich den anderen verletzen, ärgern oder provozieren wollen. Da steckt etwas anderes hinter – meist eine positiv gelagerte Motivation in Bezug auf sich selber. Das herauszufinden und offen auf den Tisch legen zu können, damit erkannt wird „ach so, der macht das gar nicht aus böser Absicht“, ist das was mich antreibt.

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