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VERTRAUEN

Im Beitrag zum Gefangenen-Dilemma hatte ich beschrieben, dass kooperatives Verhalten zum gemeinsam besten Ergebnis führt. Ich brauche also Vertrauen, dass der Andere mit mir kooperiert, um sicher zu sein, dass ich nicht auf die Nase falle. Wie kann ich also sichergehen, dass ich mich verlassen kann? Mir fallen da zwei Möglichkeiten ein: Zum Einen kann ich einen Vertrag schließen und diesen so ausgestalten, dass die Vertragsstrafe für mein Gegenüber so hoch ist, als dass es sich für ihn nicht lohnt vom angestimmten Verhalten abzuweichen. Zum Anderen könnte ich ihm einfach vertrauen. Wenn es denn so einfach wäre… Braucht Vertrauen immer eine Vergangenheit, in der uns bewiesen wurde, dass man vertrauen kann – auch ganz ohne vertragliche Absicherung? Oder wäre das bloße Vertrauen in das Gute im Menschen naiv? Mir fällt da noch ein dritter Weg ein, den Weg über die Interessen zu sprechen. Meinem Gegenüber zu erklären was für mich wichtig ist, so dass beispielsweise ein Projekt an dem gemeinsam gearbeitet wird, für mich zum Erfolg wird. Die gleiche Aufgabe hat auch mein Mitstreiter, so dass wir gegenseitig davon erfahren, was uns in dem Projekt antreibt. Das führt nicht automatisch dazu, dass im Ergebnis jeder das für sich Beste rausschlägt. Es wird auf das Pareto-Optimum wie im Gefangenen-Dilemma hinauslaufen: Den Zustand, in dem es nicht möglich ist, eine (Ziel-)Eigenschaft zu verbessern, ohne zugleich eine andere verschlechtern zu müssen. Ein Kompromiss also. Ein fauler? Mitnichten, denn was wäre die Alternative: Den Streitpunkt in der Hierarchie nach oben zu eskalieren und jemand anderen darüber entscheiden zu lassen, wie das Ergebnis aussehen soll. Eine Partei wird dabei den Kürzeren ziehen. Nicht nur diese Partei verliert dabei, das Unternehmen im gleichen Maße. Denn es geht Vertrauen und Motivation verloren. Die Basis für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Und was hat das mit Mediation zu tun? Die Interessenklärung ist der Herzstück der Mediation und für uns MediatorInnen die größte Herausforderung. Was sich so leicht anhört ist in Wahrheit ein Prozess, der einem verschiedenste Fähigkeiten abverlangt: Eine hohe Konzentrationsfähigkeit, um die Informationen aller Seiten aufnehmen zu können. Die Fähigkeit Komplexität herauszunehmen, ohne dabei Wesentliches zu verlieren. Führungskompetenz und Strukturiertheit, je eskalierter der Streit, umso wichtiger ist dieser Punkt. Kommunikationstechniken, um die Konfliktparteien zu sich und ihren Interessen zu führen. Und nicht zuletzt Einfühlungsvermögen und Intuition, um zu spüren, was bestimmte Situationen gerade brauchen, um weiterzukommen. Kurz: Herz und Verstand!