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HEIKLE GESPRÄCHE

HEIKLE GESPRÄCHE

Bei welcher Art von Konflikten sollte man genau dich zur Unterstützung heranziehen, Birgit? Diese Frage wurde mir vor etwa zwei Jahren gestellt. Heute kann ich sagen, dass zu mir die stillen Konflikte kommen. Die, die innerlich kochen und ich das Gefühl habe, hier muss nur jemand ein Streichholz fallen lassen und das ganze System explodiert. Nach außen scheint alles friedlich, die Mitarbeiter gehen augenscheinlich sehr höflich miteinander um. Wenn jemanden etwas stört wird es entweder gar nicht oder nur sehr vorsichtig formuliert. Dass dieses Bild trügt zeigt sich, wenn von außen Druck aufkommt. Kunden sind unzufrieden, Aufträge werden komplexer, neue Aufgaben kommen hinzu, plötzlich funktioniert nichts mehr und das Team agiert nicht mehr als eine zusammenhaltende Gruppe.

Die Gründe, die dorthin führen sind vielfältig. Und der Weg, der heraus führt ist ebenso individuell wie komplex. Es geht dabei darum das (Selbst-)Vertrauen des Systems wieder aufzubauen. Die Teammitglieder und deren Vorgesetzte müssen lernen in kritischen Situationen miteinander zu reden. Das ist so leicht gesagt.

Wir Menschen ergreifen in brenzligen Situationen oft den Rückzug, weil wir uns vor heiklen Gesprächen fürchten. Dann entstehen diese stillen Konflikte. Es wird miteinander gesprochen, aber nicht über das was geklärt werden sollte. Es ist spürbar, dass irgendwas im Raum steht, aber niemand spricht es an. Der Vulkan bricht hier und da mal aus, wenn es nicht mehr weitergeht. Aber auch dann kommt es nicht zu einem Dialog, dessen Ziel es ist gemeinsam das Kind aus dem Brunnen zu holen. Im Gegenteil wir gehen zum Angriff über, weil wir ungeübt darin sind, heikle Gespräche zu führen. Ein Teufelskreis, gerade im Businessumfeld in dem Sachlichkeit gefordert ist. Unsere Emotionen haben jedoch einen so großen Einfluss auf uns, als dass sie unseren Verstand vollständig lahm legen können. Das auf dem Boden wütende Kleinkind ist das beste Beispiel für den „Verstands-Knock-Out“: Die logisch aufgebaute Argumentationskette für den Apfel und gegen den Schokokeks macht es meistens noch schlimmer – meine Erfahrung. Gut, dass sich unsere Frustrationstoleranz und Impulssteuerung weiterentwickeln. Allerdings haben die Wenigsten gelernt wie wir als Erwachsene im Wut-Modus einen echten Dialog mit unserem Gegenüber führen können. 

Ein erster Schritt wäre, 

  1. dass ihr euch bewusst macht welches Verhalten des Gegenübers euch so stört. Versucht die Situation so exakt wie möglich zu beschreiben – und nicht zu werten oder zu interpretieren. Damit bringt ihr euer Gehirn wieder ins Spiel 😉 
  2. Als nächstes macht euren Gefühlen Luft – damit sie nicht wieder die Überhand bekommen. Was hat das Verhalten eures Gegenübers bei euch bewirkt? 
  3. Formuliert nun euer Bedürfnis – der vermutlich schwierigste Schritt für uns alle. „Mir war/ist in der Situation wichtig, dass…“
  4. Was bräuchtet ihr von eurem Gegenüber? Welches Verhalten wünscht ihr euch? Formuliert es als Bitte. 

Gutes Übungsfeld ist zu Hause mit dem/der Partner/in. Das ist dann aber schon der Test in der Extremsituation – Punkt 2 gelingt mir dabei noch am Besten. Punkt 1 ohne Wertung überfordert mein Gehirn je nach Ausgangslage schnell 😉

Viel Erfolg!

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