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Archive for: Juli, 2018

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SCHULD

SCHULD

Mich begleitet in den letzten Wochen das Thema Schuld auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Bei meiner Arbeit in Unternehmen als auch im privaten Umfeld. Es ist eigenartig wie oft wir über die Schuldfrage sprechen, direkt oder indirekt. Ein Beispiel aus dem Privaten. Eine Kollegin aus meinem Büro ist Filmproduzentin und gerade in den Vorbereitungen für ihren nächsten Film. Da müssen viele persönliche Gespräche geführt werden, so dass sie mich in letzter Zeit häufiger fragt, ob sie mein Büro nutzen kann, wenn ich nicht da bin. Für mich eine Selbstverständlichkeit, da ich diese Kollegin aufgrund ihrer Herzlichkeit und liebevollen Art sehr mag. Ich erzählte davon einem Bekannten und er meinte zu mir, dass er hofft, dass sie sich dafür dann auch entsprechend bei mir revanchiert. Das hat mich im ersten Moment verunsichert und ich habe mich gefragt, ob ich „zu nett“ bin. Als ich darüber so nachdachte, merkte ich, dass ich ein unwohles Gefühl bekam, denn plötzlich kam eine Erwartungshaltung in mir hoch und das Gefühl von Freude über die Erleichterung meiner Kollegin einen Raum gefunden zu haben rückte in den Hintergrund. Ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich mich tatsächlich bei meiner besten Freundin rückversichern musste, dass ich nicht „zu nett“ bin und ich einfach aus Freude an der Freude des Anderen mein Büro vergeben kann. Seitdem geht es mir damit wieder gut. Ich fand es dennoch spannend zu bemerken und frage mich woher das kommt. Sicherlich sind es so Sätze wie „die eine Hand wäscht die Andere“ die dazu beitragen. Aber ganz im Ernst, was sind wir irgendjemandem schuldig? Wenn ich jemandem einen Gefallen tue, dann deshalb weil ich es gerne möchte. Wenn ich damit eine Erwartung an den Anderen verbinde, dann sollte ich dies offen kommunizieren, so dass mein Gegenüber entscheiden kann, ob er diesen Gefallen annimmt oder nicht. Alles andere ist im Grunde unfair. Ich stelle die These auf, dass wir viel besser Hilfe von Anderen annehmen könnten, wenn es völlig klar wäre, dass damit keine Gegenleistung erwartet wird, dass man nicht in der Schuld steht.

Im Businessumfeld geht es mehr um die Schuldfrage im Sinne von „wer ist hier verantwortlich für das was nicht richtig gelaufen ist“. Auch das finde ich spannend zu beobachten in einer Unternehmenswelt, die zunehmend agil arbeiten möchte. Wenn man agil, also kooperativ als ein Team zusammenarbeiten möchte, tragen alle gemeinsam die Verantwortung für das Ergebnis. Das schlechte Ergebnis wird durch einen gefundenen Schuldigen nicht besser. Ich unterstelle, dass niemand morgens zur Arbeit kommt mit dem festen Vorsatz absichtlich etwas falsch zu machen. D.h, wenn Fehler passieren, dann ist es häufig ein Zusammenspiel von verschiedenen Umfeldfaktoren. Ein Einzelner hat vielleicht eine falsche Zahl eingetragen, eine falsche Entscheidung getroffen oder den falschen Knopf gedrückt. Aber dieser Einzelne ist Bestandteil eines Systems. 

Wenn du dich also das nächste Mal über den Fehler eines Mitarbeiters oder Kollegen aufregst, stelle dir und (!) ihm die Frage: Wie hätte ich unterstützen können, so dass das nicht passiert wäre? Eine solch offene Frage an den Kollegen oder Mitarbeiter gestellt, kann eine unglaublich positive Wirkung entfalten. Es fördert das Vertrauen und es motiviert für das Team und den Gesamterfolg zu arbeiten. Du spürst, dass dein Kollege und dein Vorgesetzter mit dir in einem Boot sitzen und ihr alle gemeinsam rudert. Wenn du diese Basis an Vertrauen und Verantwortung im Team verankert hast ist die Basis für agiles Arbeiten gelegt, der Methodenkoffer kann aufgeklappt und der erste Sprint begonnen werden.

Und was hat das mit Mediation zu tun? Kooperatives Arbeiten an gemeinsamen Lösungen entspricht dem Vorgehen in Mediationen. Daher lässt sich meine Arbeit als Mediatorin und als Scrum-Coach auch so gut verbinden. Die Haltung und das Menschenbild dahinter sind dieselben. 

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