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MITEINANDER

Notwendige und hinreichende Bedingungen sind Voraussetzungen, ohne die ein bedingter Sachverhalt nicht eintreten kann. Beim agilen Arbeiten können Anpassungen am System eine hinreichende Voraussetzung sein. Die notwendige Bedingung für agiles Arbeiten ist jedoch das „Miteinander“. D.h. das Interesse an unseren Kollegen und Mitmenschen.

Die Geschichte, wie ich zu dieser Schlussfolgerung kam:

Wer verbindet das Gefühl von Traurigkeit mit dem Arbeitsplatz? Ich hätte es nicht getan bis ich eine bemerkenswerte Erfahrung machen durfte: Ich war die erste Woche bei einem Kunden und seinem Team, das „seit drei Jahren schon agil arbeitet aber das Mindset noch nicht so passt“. Bereits nach einem Tag merkte ich eine Art Traurigkeit in mir hochsteigen sobald ich das Gebäude betrat. Ich konnte damit nichts anfangen. Alle Menschen die ich dort traf waren überaus höflich und hilfsbereit. Aber es war still und ich hatte das Gefühl in einem viel zu großen Büro für die Anzahl an Mitarbeitern zu sitzen. Luxusproblem möchte man meinen. Aber je mehr Zeit ich dort verbrachte desto deutlicher wurde für mich, dass das was ich fühlte das darstellte wie es im Team bestellt war: Jeder machte so sein Ding. Alle agilen Events wurden zwar durchgeführt, aber dabei wurden nur Worte ausgetauscht. Da war nichts lebendiges, nichts von einem Miteinander, geschweige denn von einem motivierten, begeisterten Team das an einem Strang zieht. Jeder schaute nur auf sich und seinen Teil der Arbeit. Das Daily glich mehr einem Statusreport für den PO als einem interaktivem Austausch, um gemeinsam das Sprintziel zu erreichen. 

Die Traurigkeit die ich spürte machte sich insbesondere an einer Person fest. Sie vertraute sich mir an und erzählte, dass sie seit zweieinhalb Jahren nichts mehr zu tun hätte. Seit zweieinhalb Jahren Langeweile, acht Stunden am Tag. Sie hatte dabei Tränen in den Augen. Und es war ein offenes Geheimnis, jeder wusste es. Warum sich daran nichts änderte? Die Ursachen dafür sind vielfältig und es ist noch ein Weg, der zu gehen ist. Darüber möchte ich hier gar nicht schreiben. 

Für mich nahm ich vier Erkenntnisse mit, die mir eigentlich schon vorher klar waren, sich nun aber mit Nachdruck bestätigten:

  1. Ich muss einfach nur spüren und meiner Intuition vertrauen, um zu sehen was da ist. 
  2. So lange wir Menschen uns nicht wirklich füreinander interessieren, wir nicht nach dem „warum?“ fragen und nur bei uns selber sind, wird es keine agilen Unternehmen geben. 
  3. Für unternehmensinterne Gräben braucht es keine Abteilungen, die können auch in crossfunktionalen Teams auftauchen. 
  4. Systemtheorie kann dabei helfen das Drumherum so zu gestalten, dass agiles Arbeiten möglich ist. Aber das ist nur eine hinreichende Bedingung. Die notwendige Voraussetzung für agiles Arbeiten ist, dass uns unsere Kollegen als Menschen nicht egal sind.