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TEAM

Es gibt gefühlt hunderte von Texten zu der Fragestellung „was macht Teams aus, die gemeinsam auch große Herausforderungen bewältigen?“. Hier kommt nun der 101. Blog dazu. Ich hoffe allerdings mit einem noch anderen Blickwinkel.

In der ZEIT No 30 las ich einen Artikel mit der Fragestellung „Ist es möglich, dass ich mich schon auf eine Zukunft einstelle, in der viele meiner Fähigkeiten als Mensch nicht mehr benötigt werden?“. Hier wurde beschrieben wozu künstliche Intelligenz heute schon fähig ist. Vom Schachcomputer angefangen bis hin dazu, dass man Roboter in Teams gegeneinander spielen lässt, so dass sie mit jedem Spiel mehr an Teamfähigkeit dazu lernen.

Aber was macht Teamfähigkeit aus? Was muss Künstliche Intelligenz dafür lernen und gibt es auch dabei Dinge, die nur der Mensch beherrscht und einen Vorteil hat? Oder liegen die Vorteile ausschließlich bei den Maschinen?

Weil ich ein Fußballfan bin und vor kurzem noch den Film „Toni Kroos“ gesehen habe, nehme ich das immer wieder gern genommene Beispiel der Fußballmannschaft, um es daran durchzuspielen: Was hätte nun eine Mannschaft aus KI gebraucht, um damals im Finale in Rio gegen Deutschland gewinnen zu können? Klar, erstmal den besten Spieler, den es jeweils auf der Position gibt bzw etwas genauer gefasst, jede Maschine müsste über alle Fähigkeiten verfügen, die ein Spieler auf genau dieser Position braucht, um den besten Job seines Lebens machen zu können. Hier sind wir noch bei den individuellen Stärken.  Aber was braucht das Team? Jedes Teammitglied muss die Fähigkeiten jedes Einzelnen kennen und wissen, wann und wie diese Fähigkeiten am Besten genutzt werden können. Also worin ist mein Mitspieler bärenstark und was kann er besser als jeder Andere? Kenne ich die Laufwege meiner Teamkollegen?

Das Wissen darüber alleine hilft aber noch nicht. Jeder Einzelne muss auch danach handeln. Das kann aber auch bedeuten, dass individuelle Ziele nach hinten gestellt werden müssen, damit das Team erfolgreich sein kann. Als einfaches Beispiel dafür: Zwei Spieler der selben Mannschaft laufen auf das gegnerische Tor zu, einer hat den Ball am Fuß und muss nun entscheiden „mache ich ihn selbst rein oder spiele ich ab?“. Wie oft saß ich schon vor dem Fernseher und habe gebrüllt „spiiiiiel ab!“ und er hat es nicht getan und nicht getroffen. An dieser Stelle kann ich mir vorstellen, wäre eine Mannschaft aus KI einem Team aus Menschen überlegen, da hier keinerlei persönliche Interessen, kein Ego mitspielt. Und dennoch glaube ich, dass die deutsche Nationalmannschaft ein KI-Team in Rio geschlagen hätte – wenn es von den spielerischen Fähigkeiten jedes Einzelnen keinen Unterschied zwischen den Teams gegeben hätte. Warum? Weil man den Willen und die Motivation von Menschen nicht unterschätzen darf. Weil man zwischenmenschliche Beziehungen nicht unterschätzen darf – und was diese mit einem Team (im guten und im schlechten) machen kann. Ich glaube, dass das den Unterschied macht und darüber entscheidet, ob man erfolgreich ist oder nicht.

Ich habe eine zeitlang selber Fussball gespielt und ein Finalspiel meiner Mannschaft noch sehr lebendig in meinem Kopf, obwohl es schon viele Jahre zurückliegt. Wir standen im Endspiel eines Turnieres gegen genau die Mannschaft wie es Düsseldorf für Köln ist. Und wir waren spielerisch auf individueller Ebene definitiv nicht besser. Aber dieser gemeinsame Tag oder der vorhergegangene gemeinsame Sommer haben uns über die Zeit zu EINEM Team werden lassen. Wir hatten Spaß zusammen und wir wollten dieses Finale gewinnen. Und wir taten es, mit einem großartigen 4:0. Das Gefühl war unbeschreiblich. Ich glaube wir haben  noch nie so gut miteinander gespielt und jede Einzelne hat einfach alles gegeben, wirklich alles. Die deutsche Nationalmannschaft hätten wir zwar 2014 in Rio vermutlich nicht geschlagen, aber den Unterschied hätte nur die spielerische Fähigkeit ausgemacht, sonst nichts 😉 Mein Fazit daraus: Ja, Crossfunktionale Teams, in denen jeder Einzelne ein Experte auf seinem Gebiet ist Grundvorraussetzung, um Endspiele zu gewinnen. Allerdings kann Spaß, Motivation und das Miteinander im Team viel davon kompensieren und bei gleicher Ausgangslage den entscheidenden Unterschied machen.

Wer meine Blogs verfolgt und mich kennt, weiß was jetzt kommt: Das Miteinander ist das Entscheidende. Wir sollten auch im Job mehr in Beziehung gehen. Das macht uns Menschen aus, das führt uns in unsere Kraft und macht uns lebendig.