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MITEINANDER

Bereits am 09. November 2016 schrieb ich eine E-Mail an unsere Bundeskanzlerin aufgrund meiner Sorge, dass sich unsere Gesellschaft in Bezug auf die AfD weiter spalten wird, wenn in der Kommunikation so weitergemacht wird wie bisher – und tatsächlich wurde meine Mail beantwortet: Frau Merkels damaliger persönlicher Referent Sören Kablitz-Kühn rief mich an und wir führten mehrere Gespräche zu dem Thema. Ich hatte damals die Vorgehensweise der Mediation als einen möglichen Weg zur Diskussion gestellt.

Nun wiederholt es sich: Die Spaltung, die Kommunikation und der Umgang mit der vermeintlich „anderen Seite“ der eigenen Meinung. Dieses Mal sind es die Lager der „RKI-Gläubigen“ und der „Aluhutträger“. Nur mache ich dieses Mal die Erfahrung nicht auf der Seite der „Gutmenschen“ wie 2016 zu stehen, sondern auf der Seite derer die vermeintlich die „Alten opfern wollen“. Ich mache die Erfahrung wie es sich anfühlt, wenn man mit Rechten, Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern in eine Ecke gestellt wird. Und das obwohl ich nichts von alledem bin. 

Da schließt sich für mich der Kreis zu meiner E-Mail an Frau Merkel in 2016. Denn damals war ich der Meinung, dass man AfD-Wähler nicht alle in einen Topf schmeißen und für dumm verkaufen sollte. Hier der Auszug dazu:

„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

es ist der 9. November 2016. Heute vor 27 Jahren fiel die Berliner Mauer. 27 Jahre später, heute am 9. November 2016 wird Donald Trump zum nächsten amerikanischen Präsidenten gewählt. Beide Male haben die Bürger ihre Stimme erhoben. Die Ergebnisse könnten unterschiedlicher nicht sein.

Nun habe ich Sorge, dass uns Deutschen ein ähnliches Schicksal wie den Briten mit dem Brexit und den Amerikanern mit Donald Trump ereilt. Ich habe die Sorge, dass wir die Bürger, die sich bisher nicht gehört fühlen und Gefühle wie Angst und Wut in sich tragen, weiterhin als dumm abstempeln. Sie einfach in die braune Ecke stellen und wir dadurch im Herbst des nächsten Jahres morgens aufwachen und mit Entsetzen unser Wahlergebnis sehen.“

Die Erfahrung die ich nun gemacht habe, bestärkt mich in der obigen Aussage. Wenn es uns wirklich darum geht als Gesellschaft gemeinsam Krisen zu meistern, gemeinsam Lösungen für unsere größten Herausforderungen zu finden, dann sollten wir uns gegenseitig zuhören und zwar mit dem Ansinnen das Gegenüber erstmal verstehen zu wollen, bevor wir antworten. Den Anderen für dumm zu verkaufen erzeugt nur Widerstand und Gegenwehr, in keiner Weise ein Öffnen für andere Argumente.

Die größte Herausforderung haben wir noch lange nicht bewältigt und damit meine ich nicht Covid-19, ich meine damit die Klimakrise. Bei diesem Thema gibt es ebenfalls unterschiedliche Meinungen wie man dieser Herausforderung begegnen sollte. Wir sollten in dieser Debatte aus der jetzigen Corona-Diskussion gelernt haben und versuchen miteinander um die besten Lösungen zu ringen und dabei immer offen für andere Sichtweisen bleiben. Denn im Gegensatz zu Covid-19 wird die sich anbahnende Klimakatastrophe nicht durch eine Impfung gestoppt werden können.